Geistliche Begleitung und die Abgrenzungen zu anderen Weisen von Begleitung

Geistliche Begleitung ist nicht und will auch nicht die einzige Weise sein, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Es lassen sich einige Gemeinsamkeiten zwischen Geistlicher Begleitung auf der einen und Psychotherapeutischer Begleitung, Beratung und Supervision in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen und 'Schulen' auf der anderen Seite ausmachen. Genauso gibt es aber auch im Blick auf Anlass, Zielsetzung, Voraussetzungen, Gegenstand und Methode spezifische Unterschiede. Herausgreifen möchte ich im Vergleich die Strukturen der Beziehungsgeschehen.

Merkmal und Ziel von Geistlicher Begleitung

Bei allen Berührungspunkten, Überschneidungen und fließenden Übergängen zwischen den verschiedenen Weisen von Begleitung ist die Sicht des christlichen Glaubens das unterscheidende Merkmal von Geistlicher Begleitung in Abgrenzung zu anderen Formen und Wegen: Nicht das Begleitungsgespräch und auch nicht die Beziehung zwischen dem Begleiter und dem, der begleitet wird, ist das Entscheidende, sondern die unmittelbare Ausrichtung und Beziehung des Begleiteten zu Gott und dem Wirken des Heiligen Geistes in seiner Erfahrungswirklichkeit.

Vereinfacht gesagt geht es in der Geistlichen Begleitung darum, die Beziehung zu Gott zu erschließen, zu fördern und zu vertiefen. Da bei diesem Beziehungsgeschehen drei Partner aufeinander bezogen und verwiesen sind - nämlich der Begleiter, der Begleitete und Gott - spricht man von einer 'trialogischen Struktur', einem 'geistlichen Dreiecksverhältnis', was die folgende Grafik verdeutlichen kann:

 

Im Mittelpunkt des Begleitgeschehens steht die Beziehung zwischen dem Begleiteten und Gott (1). Diese Beziehung gilt es im Blick zu haben. Die Beziehung zwischen dem Begleiter und dem Begleiteten (2) und die Beziehung zwischen dem Begleiter und Gott (3) treten in den Hintergrund und werden in der Regel auch nicht thematisiert, sind aber integrierender Bestandteil der Begleitung.

Ignatius von Loyola drückt in seinem Exerzitienbuch (EB 15) die Rolle des Begleiters bzw. das Beziehungsgeschehen in einer Geistlichen Begleitung prägnant so aus:

 

Der Begleiter soll in großer innerer Freiheit  "mehr wie eine Waage in der Mitte stehend, unmittelbar den Schöpfer mit seinem Geschöpf und das Geschöpf mit seinem Schöpfer und Herrn wirken lassen".

Das 'Dreiecksverhältnis' bei anderen Weisen von Begleitung

Der Unterschied anderer Weisen von Begleitung (Therapie, Beratung, Supervision) zu Geistlicher Begleitung lässt sich angewandt auf die 'trialogische Struktur' folgendermaßen verdeutlichen:

 

Der Focus des Begleitgeschehens liegt nun im Unterschied zur Geistlichen Begleitung auf der Beziehung zwischen dem Begleiter und dem Begleiteten (1a) und – je nach 'Schule' unterschiedlich gewichtet – auf der Beziehung des Begleiteten zum 'Problem' (1b); dem, was der Begleitete an 'Stoff' mitbringt.