Ein kleines ABC der Geistlichen Begleitung

Geistlicher Begleitung hat viele Facetten. So wie Buchstaben ein Wort ergeben und je nach Zusammensetzung eben verschiedene Worte mit den gleichen Buchstaben gebildet werden können, so ist es auch mit 'Geistlicher Begleitung'.

Vielleicht ist ein 'Kleines ABC der Geistlichen Begleitung' eine weitere Hilfe, um den Geschmack und Klang wahrzunehmen, was es so auf sich hat mit 'Geistlicher Begleitung'. Ich lade sie ein zum Buchstabieren ...

 

A baut auf die Bereitschaft, in regelmäßigen ABSTÄNDEN ca. 4 Wochen) mit der/m Geistlichen BegleiterIn zu sprechen.
B sucht Antwort auf die Frage: Wie sieht die BERUFUNG des einzelnen aus?
Welches ist der Ort, welches sind die Aufgaben, die Gott für den einzelnen will?
C geht der Frage des einzelnen nach, wie er heute sein CHRIST-SEIN leben kann:
Wie ist es möglich immer mehr vertrauter zu werden mit JESUS CHRISTUS? 
Was heißt für den einzelnen Nachfolge, IN-CHRISTUS-SEIN, als KIRCHE JESU CHRISTI mit dem eigenen Leben Antwort zu geben?
D DAUERT: Die Begleitung ist ein Prozess, der erst unter der Vorgabe von Zeit und Wegbegleitung in Gang kommen kann. Meist werden nach einem ersten Vorgespräch einige (2-4) Begleitgespräche vereinbart, um von beiden Seiten zu sehen, ob die Begleitung das Passende ist (für beide Seiten wichtig!) 
Danach einigt man sich auf einen größeren Zeitraum (ca. 1 Jahr) für die Geistliche Begleitung, damit etwas in Gang kommen kann und doch noch überschaubar ist. In regelmäßigen Abständen (ca. 3-5 Wochen) finden dann die Begleitgespräche statt, die ca. Eine 3/4 - 1 Stunde DAUERN. Nach der Auswertung des Begleitungsprozesses am Ende des vereinbarten Zeitraumes wird entschieden, ob die Begleitung beendet oder fortgesetzt wird.
E greift auf, was der EINZELNE selbst von sich aus ins Gespräch bringt. Es werden keine Themen vorgegeben. Die Wirklichkeit des Einzelnen ist das Thema, mit allem was dazugehört. Gerade EXERZITIEN IM ALLTAG sind ein Übungsfeld, sich der eigenen Wirklichkeit zu stellen, im Vertrauen, darin Gottes Spuren zu entdecken.
F ist nicht FÜHRUNG, sondern Begleitung: Letztlich ist die begleitende Person selbst für sich und ihr Leben, ihre Entscheidungen, ihr Handeln, verantwortlich. Der Begleiter begleitet ein Stück des Weges des/r anderen.
G ist getragen vom GLAUBEN an Gott, der im Menschen wirkt. Dabei regt die Geistliche Begleitung an zu "GEISTLICHEN ÜBUNGEN" durch die Anregungen und Hinführung zu Gebet und Meditation in verschiedensten Weisen und zur Wahrnehmung und bewusstem Umgang mit den Erfahrungen des eigenen Alltags.
H ist Hilfe zu HINHÖRENDEM TUN: Das Erspüren Gottes im eigenen Leben das einhergeht mit dem 'Umsetzen' des Gehörten ins Tun.
I hat IMMENSES INTERESSE daran, dass Gott mit der begleiteten Person unmittelbar in Berührung kommt und umgekehrt. Deshalb wird der/die BegleiterIn darauf achten, bei aller Sympathie gegenüber der begleiteten Person, innerlich Abstand zu gewinnen und die/den andere/n wieder freizulassen, um dem Wirken der Beziehung Gottes zum Begleiteten nicht im Wege zu stehen.
J will zu einer persönlichen Beziehung zu JESUS CHRISTUS verhelfen. Vertraut werden mit SEINEM Leben bedeutet zugleich vertraut werden mit dem eigenen Leben.
K ist eine KUNST: Geistliche Begleitung lässt sich nur im sehr geringen Maße durch Ausbildungen, Methoden lernen. Vielmehr wird jemand 'Geistliche/r BegleiterIn' durch die Anfrage anderer, weil die geschenkte' Gabe des Begleitens' aufscheint. Der Suchende beruft den Begleiter, weil er/ sie vertrauenswürdig erscheint für ein Stück des eigenen Weges.
L versucht nicht zuerst Probleme zu LÖSEN, sondern möchte Wege aufzeigen zu mehr LANGSAM- SEIN, LEISE-SEIN, LIEBESFÄHIGER-SEIN.
M MACHT MUT, dem eigenen Leben zu trauen und ihm nicht auszuweichen, egal ob dunkel oder hell, ob erhaben oder niederliegend, ob in Ordnung oder Unordnung, ... , im Vertrauen auf Jesus Christus, der die menschgewordene Liebe Gottes ist.
N setzt die NATURGESETZE nicht außer Kraft: Nicht das Außergewöhnliche, Spektakuläre, Überirdische' ist Stoff des Begeleitungsprozesses des Geistlichen Weges des einzelnen, sondern die Wirklichkeiten des eigenen Lebens: Die inneren Regungen und Bewegungen, die Beziehungen und Nicht-Beziehungen, in denen jemand lebt, die Weisen Entscheidungen zu treffen oder auch nicht usw. „Gott umarmt mich mit meiner Wirklichkeit" - Gottes Spur im Leben, im Alltag, in allem zu suchen und zu finden ....
O hilft das eigene Leben zu ORDNEN. Im hoffenden, vertrauendem Hinschauen auf die eigene Wirklichkeit immer mehr sich orientieren und ausrichten am Leben Jesu Christi, hineingenommen in die lebendige Beziehung zu Gott. Der Alltag ist der Schauplatz meiner Heilsgeschichte, der ORT der Selbstwerdung, an dem ich mehr und mehr entdecken darf, wie Gott mich anschaut und liebt.
P kann andere Begleitformen wie PSYCHOTHERAPIE nicht ersetzen. Das je PASSENDE für den Begleitenden gilt es zu suchen. Während exemplarisch an der Beziehung von Therapeut und Klient biografische Situationen und Punkte aufgearbeitet und gelebt werden, ist in der Geistlichen Begleitung die Beziehung Gottes mit dem Begleiteten das zentrale Anliegen des Begleitprozesses.
Natürlich darf in der Geistlichen Begleitung die Psyche und die Erkenntnisse der Psychologie und -Therapie mit uns Spiel gebracht werden. Nur dürfen in der Geistlichen Begleitung die Begleiter nicht der Versuchung erliegen, die anderen zu therapieren.
Q hilft der eigenen QUELLE, woraus der einzelne letztlich leben kann, auf die Spur zu kommen. Diese Erfahrung kann nicht von außen herangetragen werden.
R RATSCHLÄGE, REGELN und RUNDUMVERSORGUNG durch den Begleiter, wie der Begleitete denken, fühlen und handeln soll, helfen kaum weiter und entsprechen nicht dem Ziel der Geistlichen Begleitung. Deshalb sind diese in der geistlichen Begleitung auch nicht angebracht.
S fördert die SELBSTERKENNTNIS und SELBSTANNAHME und hilft zugleich zur Erkenntnis Gottes im eigenen Leben.
T TRAUT Gott alles zu: Dass Er am Werk ist im Begleiteten, als auch im Begleiter, dass Er das Heil aller will, dass Er im Heiligen Geist der eigentliche 'Geistliche Begleiter' ist.
U verhilft dem einzelnen auf dem je eigenen UMKEHRWEG zum Gott des Lebens, selbst in den vielfältigen UNHEILSGESCHICHTEN die Heilsgeschichte Gottes zu entdecken, zuzulassen und anzunehmen.
Im Laufe des Prozesses kann der Übende lernen, in der UNTERSCHEIDUNG DER GEISTER immer mehr seinen eigenen Weg in der Beziehung zu Gott zu entdecken und daraus zu leben.
V VERZICHTET darauf, dass zu einer bestimmten Zeit ein bestimmtes Ziel erreicht sein muss, VERZICHTET auf die Beurteilung des Begleiteten, VERZICHTET darauf, zu wissen, was für den anderen das Richtige ist und übernimmt im letzten nicht die Verantwortung für das Leben des anderen.
W lenkt ihren Blick auf die ganze WIRKLICHKEIT des Menschen: die körperliche, seelische und geistliche Wirklichkeit in bezug zu sich selbst, zu anderen, zu Gott.
X sieht die begleiteten Personen nicht als X-BELIEBIG an, sondern als einmalige, von Gott geliebte Menschen, woraus ihre Würde zu achten ist.
Y

Zu Y fiel mir bisher nichts ein. Deshalb hier zwei Vorschläge von einem user und Geistlichen Begleiter: Gundikar Hock SJ (Hildesheim). Herzlichen Dank!

Im Psalm 51 heißt es: 'Reinige mich mit YSOP!' Geistliche Begleitung hat auch etwas zu tun mit dem Weg der Reinigung. Ohne die Bereitschaft zur Läuterung geht kein geistlicher Weg. Oder: YOGA - kommt aus dem Indischen und meint Anjochung an das Göttliche. Als Leib und Meidtationsübung hat es auch etwas mit Geistlicher Begleitung zu tun. Manchen helfen auf dem geistlichen Weg auch Leibübungen in der Weise von Eutonie, anderen Yoga. Der Leib und das Umgehen mit ihm ist ein wichtiger Bestandteil für Geistliche Begleitung.

Z hat das ZIEL, einzelnen (und auch Paaren und Gruppen) zu helfen, die spirituellen Dimensionen im eigenen Leben zu entdecken und dadurch zu einem ganzheitlichen Wachstum der Persönlichkeit zu kommen. Immer mehr ins Gespräch mit Gott zu kommen und darin zu bleiben, was die Geistliche Begleitung zuallererst fördern will, ist Ausdruck der Verwirklichung des Willens Gottes in der Selbstwerdung.